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Ahnenforschung leicht gemacht - Teil 6

Aktualisiert: 3. Juli 2021

Die Bedeutung der Familiennamen (Nachnamen) und ihre Entstehung


Die Bildung der Familiennamen begann um circa 1000 nach Christus und endete mit einigen Ausnahmen ca. im 16. Jahrhundert. Durch die stetig wachsende Bevölkerung, vor allem in den Städten, sah man die Notwendigkeit für die Verwaltung, diese Menschen von Geburt an unterscheiden zu können. Das Produkt dieser Erkenntnis im Mittelalter führte zur Entstehung der „Zweinamigkeit“ als Unterscheidungsmerkmal.

Die wichtigsten Kriterien für die Art und Weise zur Bildung der Familiennamen sind:

1. Familiennamen aus Rufnamen (Verhältnis einer Person zu einer anderen Person)

2. Familienname nach der Herkunft (Ort oder Volksstamm, aus dem die Person abstammt)

3. Familienname nach der Wohnstätte (Ort an dem die Person wohnt)

4. Familienname aus Berufsbezeichnung (Beruf oder Tätigkeit, die die Person ausübt)

5. Familiennamen aus Übernamen (Merkmale die die Person von anderen unterscheidet)


1. Familiennamen aus Rufnamen:

Der Fachbegriff dafür lautet „Patronymika“ – von „Patro“ (Vater) und sind aus Rufnamen entstanden. Es gibt folgende 6 Arten zu unterscheiden:

· Verbindung mit Wörtern die „der Sohn / die Tochter von … bedeuten“

Verwendung eher in skandinavischen Ländern und Island. Der Familienname bezieht sich auf den Vater und endet mit -son oder -sen, bei der Mutter mit -dottir. Aus dem Irischen kennt man die Vorsilbe „Mac“ als Bezug zur männlichen Person.

· Genitiv-Setzung des Rufnamens Es kommen dabei immer die Endungen „-s“ und „-en“ zum Einsatz. Zum Beispiel wird aus Hans, dem Sohn von Peter „Hans Peters“

· Verbindung mit Präpositionen Hier kommen de Präpositionen „de“ oder „di“ zum Einsatz. Zum Beispiel wird aus Maria, der Tochter von Francesco „Maria de Francesco“

· Verwendung durch Suffixe Dies sind Endungen und bedeuten „zugehörig zu“ und werden besonders in slawischen Sprachraum verwendet. Beispiele sind „-owski“, „-ewski“, „-inski“ oder im Russischen „-owitsch“, „-ewitsch“, „-itsch“, im Deutschen „-er“, „-ing“, „-mann“

· Verkleinerungs-Suffixe Hier werden Suffixe als Koseformen für die Rufnamen verwendet. So wird der Junior von einem „Hein“ z.B. ein „Heinle“ oder „Heinlein“. Im Italienischen sind folgende Suffixe überliefert: Albert „-ello, -etto, -etti, -ino, -ini, -oni, -otti, -otto“.

· unveränderte Zusammenstellung

Der Rufname des Vaters, wird dem Rufnamen des Sohns / der Tochter unverändert angehängt. (heute noch häufig als in Verwendung von Doppel-Vornamen)

2. Familienname nach der Herkunft:

Die Entstehung der Familiennamen leitet sich in diesem Fall von der Herkunft des Namenträgers ab. Zeitlich hing dies mit der Entstehung der Städte zusammen und die aus der Umgebung zugezogenen Personen wurden nach deren Herkunftsort benannt. Es wird dabei unterschieden auf Herkunfts-Ort und Herkunfts-Volk. Diese Namen enden meist auf -er. Beispiele sind: Österreicher, Böhm, Wiener, Kremser


3. Familienname nach der Wohnstätte:

Hier gibt der Name Auskunft über die Art und Beschaffenheit der Wohnstätte. Es wurde auch die Lage, Vegetation, nahe gelegene Quellen und Wasserläufe, Bodenbeschaffenheit, Besonderheiten des Hauses oder Hofes zur Bildung des Namens mit herangezogen. In Städten wurden Straßennamen und in ländlichen Gegenden Hof- und Flurnamen zur Bildung des Namens herangezogen. Beispiele: Niedermeier, Tannholzer, Brünnler, Breitner, Kotbauer, Ringbauer


4. Familienname aus Berufsbezeichnung:

Die Namensgebung wird aus Berufs-, Amts- oder Standesbezeichnungen abgeleitet. Dabei spiegelt sich die Entfaltung des Handwerks im Mittelalter entsprechend wider, wird aber auch stark von der geografischen Lage und dem wirtschaftlichen Umfeld geprägt. Auch der soziale Stand des Namensträgers findet seinen Einfluss. Es werden die namensgebenden Berufe in folgende 10 Gruppen unterteilt.

  • Landwirtschaftliche Berufe (Fischer, Bauer, Schäfer, Koler, Vogler)

  • Nahrungsmittelgewerbe (Beck [Bäcker], Müller, Metzler, Fleischmann, Lebkuchner)

  • Metallverarbeitung (Schmied, Schlosser, Keßler, Plattner, Kandelgießer, Gürtler)

  • Holzverarbeitung (Wagner, Büttner, Schreiner, Zimmermann, Küfer)

  • Ledererzeugung (Schuster, Sattler, Lederer, Gerber, Peutler)

  • Textil- und Pelzgewerbe (Schneider, Huter, Kürsner, Weber, Färber, Tuchscherer)

  • Bauwesen (Maurer, Ziegler, Steinmetz, Decker, Schifferdecker,.Pflasterer, Strohschneider)

  • Dienstleistungen (Bader, Fuhrmann, Kerner, Barbier, Scherer, Schreiber, Schroter, Arzt, Stubenwascher)

  • Ämter (Schultheiß, Schulze, Meyer, Hofmann, Kellner, Forster, Vogt, Falkner, Thurner, Holzwart, Verlieser)

  • Sonstige Berufe (Sailer, Hafner, Maler, Kramer, Glaser, Schüssler, Pfeiffer, Bantoffelmacher, Bürstenbinder)

5. Familiennamen aus Übernamen:

Übernamen beziehen sich auf körperliche, geistige, charakterliche Merkmale und auf aussagekräftige Ereignisse in der Lebensgeschichte einer Person. Folgenden 15 Gruppen kamen zur Anwendung:

  • Körperliche Eigenschaften, Körperteile (Jung, Haupt)

  • Eigenschaften des Geistes und Charakters (Grimmig, Froh)

  • Tiere, Körperteile von Tieren (Stier, Pagenstert [Pferdeschwanz])

  • Pflanzen, ihre Teile und Früchte (Pilz, Holzapfel)

  • Gegenstände (Korb, Stock, Stiefel)

  • Gestirne, Naturerscheinungen (Stern, Schnee)

  • Jahres- u. Tageszeiten, Monate und Wochen-, Festtage (Herbst, Hornung [Februar])

  • Kirchliches (Weihrauch, Teufel)

  • Geld und Geldeswert (Schilling, Pfund, Taler)

  • Besitz (Armmann, Nothaft)

  • Gelegentliche oder gewohnheitsmäßige Handlungen (Tanz, Quenzer [Kartenspieler])

  • Abstammung, Verwandtschaft u. ä. (Trautvetter [lieber Vaterbruder], Stiefvater)

  • Weltliche und geistliche Würdenträger (Fürst, Probst, Graf)

  • Reihenfolge (Zwölfer, Erster)

  • Vorstellungen des Volksglaubens (Neidnagel)

Beispiele aus dem Tschechischen:

· Aussehen:

Mück = kleine Person

· Benehmen:

Hruby = grober Mensch, Hübsch = Person von höfischem Wesen, Mock = verdrießlicher, schweigsamer Mensch, Muhr = brummiger Mensch

· abgeschlossene Handlungen:

Dohnal = zum Ziel getrieben, Dostal = er hat bekommen,

Navratil = er ist zurückgekehrt, Pospischil = er hat sich beeilt

· Tier- und Vogelnamen:

Čap = Storch, Čizek = Zeisig, Holub = Taube, Hrdlička = Turteltaube,

Jelinek = Hirschlein [slowenisch jelen = Hirsch], Jerabek = Haselhuhn,

Kavka = Dohle, Kohout = Hahn, Strnad = Ammer, Sykora = Meise

· Farben: Černy = schwarz, Čerwenka = rot [červený])


Bedeutungsvielfalt / Deutung von Familiennamen:

In der Zeit, als die Familiennamen entstanden, ließ sich ihre Bedeutung eindeutig ableiten. Heute ist das mit der Deutung weitaus schwieriger. Begründet ist diese Schwierigkeit in der Änderung der Schreibweise der Namen im Laufe der Zeit, sowie die Tatsache, dass ein und dasselbe Wort mehrere unterschiedliche Bedeutungen haben. Hilfe bei der Erforschung unseres eigenen Familiennamens kann uns dabei die Onomastik sowie Namenskarten bringen. (siehe nachfolgende Links)


Fachausdrücke

Genitiv Zweiter Fall Onomastik Namenkunde Patronymika Vatersname Präposition Wort, das Wörter zueinander in Beziehung setzt Suffix Ableitungsendungen


Links

FamOs - Familiennamen Österreichs

http://hw.oeaw.ac.at/famos Familiennamen Atlas

http://www.kulturgeschichte.at/Familiennamensatlas.html Familiennamen auf -nig(g) in Kärnten und Osttirol, 2010

http://members.chello.at/heinz.pohl/FS_Hellfritzsch_SD.pdf Slowenisches Erbe in Kärnten und Österreich, 2005 (Ortsnamen)

http://wwwg.uni-klu.ac.at/spw/oenf/KrtnJbPol_2005.pdf Vulgonamen am Tauern und ihre Deutung

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